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Genese einer Panikmache 12. Januar 2006

Posted by lbmedien in Sonnen-News.
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Die Bereitschaft der Massenmedien, jede Solarium-Mücke zum Massen-Hautkrebs-Elefanten aufzublasen, lässt sich am Beispiel des Berichts „Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung im Jahr 2004“ im Auftrag des Bundesumweltministeriums demonstrieren, einem Bericht, der jährlich vom BMU veröffentlicht wird (wir hatte bereits darüber berichtet). Auf 69 Seiten werden die verschiedensten Strahlenquellen behandelt, die zu einer Strahlenblastung der Bevölkerung führen.
In wenigen Absätzen nur wird die steigende Belastung durch natürliche UV-Strahlen und ihre regionalen Unterschiede erwähnt und auf das veränderte Freizeitverhalten (Urlaub und Wellnesseinrichtungen mit Solarien) zurückgeführt.
Zum Thema Solarien wird im wesentlichen über den gelungenen RTS-Prozess kurz berichtet.
Auf die steigenden Fallzahlen der Hautkrebserkrankungen wird in einem Nebensatz hingewiesen, ohne dass zwischen den „harmlosen“ hellen Hautkrebsarten und dem gefährlichen „schwarzen“ Hautkrebs differenziert wird.
Da sich der Bericht auf das Jahr 2004 bezieht wird die Zahl der Sonnenstudios noch auf 7.500 geschätzt und die zertifizierten Solarien in diesem Jahr mit 30 angegeben. Im übrigen wird auf noch nicht abgeschlossene Forschungsprojekte verwiesen.

Schon in den daraus destillierten Pressemitteilungen des Bundestags rücken die wenigen Sätze über Solarien und Hautkrebs (ein Anteil von etwa 2% am Gesamtumfang und entsprechender Bedeutung im Bericht selbst) plötzlich in den Vordergrund. Überschrift
Regierung: Besorgnis erregende Zunahme von Hautkrebs

Die Presseagentur dpa greift in einer Meldung vom 06.01.2006 gleich noch eine Stufe tiefer in die Emotionen-Kiste – dutzendfach nachgedruckt liest man:
Hautkrebsgefahr: Drastische Steigerung durch Sonne und Solarium
Schon am nächsten Tag bemächtigt sich die Boulevardpresse des Themas. Die „Berliner Zeitung“ erkennt plötzlich:
„Mehr Hautkrebs durch Solarien“

Der so betitelte Artikel liest aus dem Regierungsbericht das garnicht vorhandene Fazit:“Die übermäßige Nutzung von Solarien wird für die Deutschen zu einem immer größeren Gesundheitsrisiko.“ Völlig andere Quellen, darunter die Phantasiezahlen der „Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention“ werden herangezogen, wo der Bericht die gewünschte Tendenz nicht hergibt. Schließlich wird die Zahl der in 2004 zertifizierten Studios flugs umgedeutet in die Gesanmtzahl der zertifizierten Studios in der Bundesrepublik bis dato – und fertig ist die Horrorstory.
Die 98 Berichtsprozente und Warnungen über hohe Strahlenbelastungen aus vielen anderen Quellen werden kurzerhand unterschlagen.
Eine fatale Kette von Fälschungen, die mit den Ungenauigkeiten im Bericht selbst beginnt und – mit der Solarien-Prügel in der Boulevardpresse erstaunlicherweise nicht endet.

Denn jetzt greift auch die Tageszeitung der deutschen Ärzte, die „ÄrzteZeitung„, das Thema auf und hat offensichtlich nicht den BMU-Bericht sondern die „Berliner Zeitung“ gelesen, denn auch hier die gleichen Pauschalaussagen und die gleichen Quellen („Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention“).

Jetzt allerdings regt sich denn doch Widerstand – zumindest bei den Fachleuten.
In einem scharf formulierten Leserbrief an die „Ärztezeitung“ kritisiert die Dermatologin und Wissenschaftlerin am „Dermatologischen Zentrum Berlin“, Dr. med. Elisabeth Rowe, den Beitrag mit den Worten:
Hautkrebs – erneute Warnung vor Solarien!“ – diese Meldung gehört zum Jahresprogramm. Im Winter wird vom Solarium abgeraten, im Sommer werden Sonnencremes angepriesen. Cui bono?
Der wie schon so oft erwähnte Zusammenhang zwischen Melanom und Solarium konnte in zwei großen US-Studien nicht nachgewiesen werden. Schon lange ist bekannt, daß regelmäßige kurzzeitige Besonnungen ausreichende Vitamin-D-Vorräte ermöglichen. Neuere Erkenntnisse über Zusammenhänge von Vitamin-D-Mangel und Entstehung von Krebsen, auch Hautkrebsen, Typ-1-Diabetes, Bluthochdruckerkrankungen, Osteoporose, saisonale Depressionen u.a., wie auch epidemiologische Befunde über Vitamin-D-Unterversorgung bei einem Großteil der Bevölkerung im sogenannten Vitamin-D-Winter von November bis Anfang März lassen den Gedanken an prophylaktische UV-Bestrahlung, wie sie in Solarien praktiziert wird, wiederaufleben. Wie für die meisten Dinge im Leben gilt auch für Sonne und Solarium: mäßig, regelmäßig und von hoher Qualität fördert die Gesundheit und beugt Krankheiten vor…..
Die Leute stimmen mit den Füßen ab und tun etwas für ihre Gesundheit.

Die Hoffnung, dass der Protest der Fachleute gegen die einseitige Negativ-Berichterstattung in den Medien etwas an dieser seit Jahren sich hochschaukelnden Solarien-Verteufelung ändern könnte, dürfte dennoch vergeblich sein.

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