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Interessante Informationspolitik – Pressekonferenz der Deutschen Krebshilfe 26. November 2008

Posted by lbmedien in Solarium und Medien, Sonnen-News, UV-Strahlen.
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Kinder auf der Sonnenbank - ein ADP-Wintermärchen!

Kinder auf der Sonnenbank? Ein ADP-Wintermärchen!

Die Gelegenheit war günstig. Gestern erst hatte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) eine schmetternde Presse-Fanfare gegen die Sonnenstudios mit dem Qualitätssiegel „Geprüftes Sonnenstudio“ geblasen – ohne vorherige Information der öffentlich kritisierten, betroffenen Zertifizierer und bisher ohne Möglichkeit, die teilweise eher merkwürdig anmutenden Behauptungen im einzelnen nachzuprüfen.
(Hier die ad-hoc-Stellungnahmen des Photomed-Verbands und der Arbeitsgruppe der zertifizierten Studios „Initiative Geprüftes Sonnenstudio“ )

Heute nun nutzten Deutsche Krebshilfe (DKH) und die „Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP)“ diese Kerbe für weitere Schnitzarbeiten mir grobem Hackmesser am ohnehin ziemlich ramponierte Image der Besonnungsbranche.

Vorgestellt wurde eine Studie mit dem werbewirksamen Namen „SUN-Study 2008„, die von DKH und ADP beim Mannheimer Institut für Public Health, Sozial- und Präventionsmedizin (MIPH) in Auftrag gegeben und deren Ergebnis so zitiert wurde:

Von den rund 14 Millionen Solariennutzern zwischen 18 und 45 Jahren hat mehr als ein Viertel bereits im Alter von 10 bis 17 Jahren mit dem künstlichen Bräunen begonnen.

Übersetzt heisst das in etwa:
Hochgerechnete 22 Prozent der deutschen Bevölkerung haben schon irgendwann einmal in ihrem Leben ein Solarium benutzt (egal wo). Von diesen 22 Prozent glauben sich ein Viertel, also 5,5 Prozent, erinnern zu können, vor dem 18 Lebensjahr schon einmal ein Solarium genutzt zu haben.

Verraten wird nicht, ob das mit 10, 14 oder 17 Jahren geschehen ist.

Aus gutem Grund: Aus früheren repräsentativen Studien ist bekannt, dass in der Alterngruppe 10-14 Jahre praktisch überhaupt keine statistisch erfassbare regelmäßige Solariennutzung vorkommt und erst die 16-17jährigen mit bis zu 15 Prozent als regelmäßige Solariennutzer auftreten. Erst in dieser Altersgruppe kommt dann bei der Fragen „schon mal probiert?“ ein Ergebnis wie das jetzt zitierte heraus. (Ein Grund vermutlich auch, warum die Daten einer Studie des Forschungszentrums Jülich vom Auftraggeber BfS noch nicht veröffentlicht wurden, die angeblich seit Januar dieses Jahres vorliegen und, wie schon im März von der ADP erwähnt, eher noch niedrigere Werte aufweisen.)

Wichtig ist diese feine Unterscheidung, weil die Daten benutzt wurden, um eine Kampagne gegen den Missbrauch von Sonne und vor allem Solarien durch Kinder zu begründen. Eine solche Kampagne ist absolut notwendig, weil die Haut von Kindern noch nicht ausreichend Eigenschutz zur Abwehr und Reparatur von UV-Schäden gebildet hat.

Darauf verwies auch der Berliner Kinderarzt Dr. Grundhewer vom Ausschuß für Prävention und Frühtherapie beim Berufsverband der Kinderärzte. Heute gingen viele Kinder zwei- dreimal im Jahr in den Sonnenurlaub. Hier werde bereits die Grundlage für das lebenslange Krebsrisiko gelegt.

Da Kinder aber überhaupt nicht – oder nur in absoluten Einzelfällen bei geistig nicht ganz präsenten Eltern – in Sonnenstudios auftauchen und – wieder von verwerflichen Einzelfällen abgesehen – auch garnicht zugelassen werden,  ist der Mißbrauch der Umfragedaten für eine Anti-Solarien-Kampagne schlicht unseriös.

Auch Prof. Dr. Eckhard. W. Breitbart nahm es nicht so genau beim Zitieren sorfältig ausgewählter Studien, wenn es darum ging, das düstere Bild mit wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit zu unterfüttern.

Wie schon in früheren Pressekonferenzen der beiden Veranstalter soll der Eindruck erzeugt werden, die künstliche Besonnung sei ein wesentliches, ja das eigentlich entscheidende Problem bei der mißbräuchlichen Nutzung von UV-Strahlen. Dass es diese missbräuchliche Nutzung auch in Sonnenstudios gibt, ist unstreitig. In der Bekämpfung dieser Praktiken sind sich alle, auch die Solarienverbände und die Vertreter der Qualitäts-Studios einig.

Aber der im Vergleich verschwindend geringe Anteil etwa der Sonnenbrände in Solarien – deutlich unter  einem (1) Prozent – rechtfertigt wohl kaum die Verbissenheit und die Kosten der Anti-Solarien-Kampagnen, die an relvanteren Stellen im Konsens aller an Gesundheit und Prävention Interessierten unendlich viel mehr an Gesundheitsschutz und vernünftiger Nutzung der lebenswichtigen Sonnenstrahlen bringen könnten.
(Drastisch unterstreicht diese Meldung, wo hier wirklich die Probleme liegen)

Blindes Einprügeln mit zweifelhaften Argumenten auf selbst die qualifiziertesten Sonnenstudios versperrt einen vernünften Weg zur sicheren Nutzung gesunder Sonnenstrahlen und kostet – wie jetzt gerade mehr als 30 international renommierte Wissenschaftler in einem Appell unterstreichen – unser Gesundheitssystem am Ende dreistellige Milliardenbeträge.

Gemeinsame Qualitätskampagnen im Rahmen gesetzlicher Mindestanforderungen und darüber hinaus zur optimalen Nutzung der unendlich vielen Gesundheits- und Präventionswirkungen von UV-Strahlen sollte das Gebot der Stunde sein. Noch scheint das auf beiden Seiten des überflüssigen Zauns nicht wirklich begriffen zu sein.

Kommentare»

1. Robert Maschewski - 26. November 2008

Sehr geehrter Redakteur!

Vielen Dank!

Sie haben in sehr eindrucksvollen Sätzen wieder gegeben, was zur Zeit für eine übertriebene, einseitige Informationspolitik stattfindet.

2. Anton aus Tirol - 4. Dezember 2008

dies wir natürlich den Machern von Photomed zu verdanken haben.


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