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Bräune per Implantat – Die „Barbie-Droge“ wird erwachsen – Der Mißbrauch wächst mit 7. Juli 2008

Posted by lbmedien in Hautfarbe, Sonnen-News, Sonnenschutz.
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Bräune aus dem Implantat - melanotan redivivus

Bräune aus dem Implantat - melanotan redivivus

Vor einigen Jahren war sie der Hit der Saison: die „Barbie-Droge“ die gleichzeitig sexy, potent, schlank und braun machte. Ein winziges Implantat unter die Haut gespritzt garantierte monatelange „echte“ Bräune. Damals hieß sie noch „Melanotan“ und wurde in zwei Richtungen als „Melanotan I“ und „Melanotan II“ von unterschiedlichen Pharmafirmen in USA (Palatin) und Australien (Epitan jetzt: Clinuvel) entwickelt. (Ausführlich dazu hier, hier und hier).

Jetzt taucht die Droge wieder als News in den Medien auf. Es scheint, dass Clinuvel sein umpositioniertes Präparat CUV1647 (gestartet als Bräunungsmittel für Menschen mit Hautproblemen, jetzt als Prävention gegen seltene Sonnenallergien) sicher durch die letzte Testphase (Phase III) steuert und die Markteinführung bevorsteht. Gleichzeitig hat Palatin auf  Druck der Aufsichtsbehörden die Entwicklung von Melanotan II als Sex-Droge unter der Bezeichnung PT-141 aufgegeben.

Dass aber die Faszination der ehemaligen „Barbie-Droge“ ungebrochen ist, zeigen

  1. die jüngsten Presseberichte aus der Forschung einerseits (hier zur klinischen Erprobung und ihren Resultaten) und zu den kosmetischen Möglichkeiten und Anwendungen andererseits (Bericht in der Frauenzeitschrift Vogue), vor allem aber
  2. der lebhafte „Underground“ – der schwunghafte Handel mit illegalen Präparaten und Derivaten aus der Melanotan-Forschung auf der Sex- und Party-Bräune-Schiene. Die Droge PT-141 wird derzeit massenhaft über das Internet für rund 30 Euro vertreiben – überwiegend aus China.

Zu den Phase III Studien mit licht-intoleranten Patienten (EPP, CEP) erläutert die Chefärztin Elisabeth Minder am Triemli-Spital Zürich:
Mit CUV 1647 konnten die Patienten zum ersten Mal in ihrem Leben auf Berge steigen, Skifahren oder ins Strandbad. Die Testpersonen konnten sich durchschnittlich 11 Mal länger am Licht aufhalten.“

Sonnenschutz durch „natürliche“ Melaninbildung und Hautbräune aus der Spritze.

Populärer dagegen die Melanotan II-Richtung mit knackiger Bräune auch für Menschen mit lichtempfindlicher Haut oder Hauttyp 1. Vogue berichtet von Angeboten durch Dermatologen für rund 800 Euro. „Nach einer 14-tägigen Peptidhormon-Behandlung plus UV-Licht-Kabine entwickelt sich eine gleichmäßige Bräune, die ein halbes Jahr hält.

Vor allem die unkontrollierte Anwendung illegal erworbener Präparate ist wegen der nicht unbeträchtlichen Nebenwirkungen vor allem von PT-141 höchst gefährlich (z.B. die Steigerung des Bluthochdrucks und die Unterdrückung der Vitamin D-Bildung über die Haut).  Für alle, die nicht aus medizinischen Gründen Sonne und Solarium meiden müssen, bleibt die Sonnenbank im Qualitäts-Studio („Geprüftes Sonnenstudio“) die mit Abstand sicherste und gesundeste Alternative: Bräune plus Vitamin D zum kleinen Preis.

Quellen: Schweizer Fernsehen (SF), Vogue

Videos:
www.sf.tv/videoplayer

www.tv3.co.nz/VideoBrowseAll/HealthVideo

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Schon unsere Urahnen erkrankten durch Mangel an „Sonnenschein-Vitamin“ 10. Dezember 2007

Posted by lbmedien in Atemwegserkrankungen, Besonnung, Hautfarbe, Sonnenschein-Vitamin, Vitamin D-Mangel.
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Homo erectus Tuberkulose durch Vitamin d-MangelSchon vor 500.000 Jahren scheinen die ersten Einwanderer aus Afrika nach Europa, der sog. Homo erectus, unter Infektionskrankheiten wie etwa der Tuberkulose gelitten zu haben.

Der Grund, so vermuten Wissenschaftler einer multinationalen Forschergruppe um den Anthropologen John Kappelmann von der Universität Texas:
Die Urmenschen jener Zeit waren noch auf ihrem Wanderzug von Afrika in den Norden. Aus dem sonnigen Süden kommend war der Homo erectus noch dunkelhäutig und konnte dadurch nur wenig Vitamin D produzieren, da das dunkle Hautpigment Melanin die ultravioletten Strahlen der Sonne blockiert. Die UV-Strahlung ist zu etwa 90 Prozent verantwortlich
für die Produktion von Vitamin D in der menschlichen Haut, das dem Immunsystem bei der Abwehr von Infektionen hilft. Auf den Weg in den Norden, wo die Intensität der UV-Strahlen geringer ist, fiel dieser Mangel besonders stark ins Gewicht.

Die Forscher hatten Spuren einer Tuberkulose-Erkrankung bei einem Schädel eines Urmenschen, eines jungen Mannes, der Art Homo erectus aus einer Fundstätte in der westlichen Türkei entdeckt.

Auch eine soeben vorab erschienene Studie mit Enwanderern nach Australien unterstreicht die vorbeugende Wirkung von Vitamin D bei Tuberkulose.

Auf Studien über den Zusammenhang von Tuberkulose (hier und hier) und Atemwegserkrankungen (hier und hier), mit Vitamin D- und Besonnungs-Defiziten hatten wir in diesem Weblog bereits hingewiesen.

Quelle: wissenschaft.de

Studien:
John Kappelman et al., First Homo erectus from Turkey and implications for migrations into temperate Eurasia, American Journal of Physical Anthropology, online vorab publiziert, 7. Dezember 2007

K.B. Gibney et al, Vitamin D Deficiency Is Associated with Tuberculosis and Latent Tuberculosis Infection in Immigrants from Sub-Saharan Africa, Clinical Infectious Diseases, Januar 2008, online vorab publiziert

Wunschbraun vom Bioingenieur? 27. August 2007

Posted by lbmedien in Forschung, Hautfarbe.
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Melanin und MelanozytenWerden wir uns in Zukunft den Farbton unserer Haut aussuchen und beim Bioingenieur bestellen können?

Bis dahin ist es sicher noch ein weiter Weg, aber mit den Methoden, die derzeit in den Labors der University of Cincinnati und an der Tokyo Medical University entwickelt werden, ist offensichtlich ein großer Schritt in diese Richtung getan.

Die Forscher um Raymond E. Boissy beschreiben in der September-Ausgabe der Fachzeitschrift The FASEB Journal (Federation of American Societies for Experimental Biology) Experimente an Mäusen mit künstlicher Haut aus menschlichen Zellen (Keratinocyten und Melanocyten). Ziel ist die Steuerung der Farbvarianten in der menschlichen Haut.

Boissy und seinen Mitstreitern ist es gelungen, verkürzt gesagt, mit Hilfe implantierter Keratinocyten, aus denen die Haut überwiegend besteht und die keine eigenen Pigmente bilden können, die Bildung des „Hautfarbstoffs“ Melanin in den Melanozyten zu beeinflussen. Die unterschiedlich einfärbten Keratinocyten steuerten über chemische Signale die Melanin-Produktion in den Melanocyten und damit den Farbton der gesamten Hautoberfläche. Helle Keratinozyten „produzierten“ eine Aufhellung der Haut, dunkle Keratinozyten sorgten für eine Dunkelfärbung der Haut.

Die Entdeckung dieser „Steuerungsfähigkeit“ von ausgesuchten Keratinozyten könnte künftig für die Erzeugung einer „Wunschfarbe“ der Haut eingesetzt werden. Vorerst aber gibt diese Forschung allen Menschen mit Hautverletzungen, Verbrennungen, Pigmentverschiebungen oder Altersflecken neue Hoffnung auf eine „Hautreparatur“ in den natürlichen Farben der eigenen Haut.

Quelle: MedicalNewsToday

Graphik: SEER (U.S. National Cancer Institute’s Surveillance, Epidemiology and End Results)

Studie: R.E. Boissy et al., Functional analysis of keratinocytes in skin color using a human skin substitute model composed of cells derived from different skin pigmentation types, FASEB J. 2007, vorab online veröffentlicht