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IARC: Halbe Wahrheiten und bewusstes Missverstehen 31. Juli 2009

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Es ist bemerkenswert: Negative Nachrichten über Solarien scheinen manche Redaktionen zu ungeahnten poetischen Höhenflügen zu inspirieren. So auch die schlichte Nachricht, dass Sonnenbänke nun endgültig von der Wissenschaftsagentur der WHO, der IARC,  in die Kategorie „krebserregend“ eingestuft wurden.

Phantasievolle Vergleiche

Phantasievolle Vergleiche

Die Sonne selbst ist da der künstlichen Sonne um Jahre voraus, sie tauchte schon 1992 in der Liste der „Krebserreger“ auf.

Nachdem BILD, wie so oft, den Weg gewiesen hatte mit einer Überschrift wie: „Solarium gefährlicher als Zigaretten„, folgten andere mit phatasievollen Steigerungen bis hin zu Vergleichen mit Arsen und Senfgas. Dass diese Vergleiche sachlicher Blödsinn sind, fiel offensichtlich den dichtenden Redakteuren nicht auf. Recherche ist anstrengend und zeitraubend, und wer in den Medien hat heutzutage noch die Kraft und die Muße dazu.

Diese publizistischen Kraftakte veranlassen nun doch die ansonsten eher schweigsamen Solarienverbände, zumindest die schlichtesten Fakten wieder ins Gedächtnis zurückzurufen. So schreiben die beiden deutschen Branchenverbände Photomed und SLS in einer Stellungnahme unter dem Titel „Zurück zur Sachlichkeit„:

photomed-logo-neuMit der Einstufung der Solarien in die höchste Gefahrenstufe für das Melanom durch die Internationale Wissenschafts-Agentur der WHO (IARC) ist eine Welle fehlinformierter wie fehlinformierender Meldungen durch die deutschen Medien geschwappt. Wir möchten zur Versachlichung der Diskussion einige Informationen beisteuern:

  1. Die UV-Strahlen der Sonne sind bereits vor vielen Jahren in die Liste (Kategorie 1) der potentiell krebserzeugenden Substanzen/Strahlungen aufgenommen worden. Neu ist lediglich die Aufnahme der Solarien in diese Liste.
    Über den Grad der Gefährdung ist damit nichts ausgesagt.
    Es käme sicher keinem Journalisten in den Sinn, den Sonnenschein an einem heiteren Sommertag mit einem feindlichen Senftgas-Angriff gleichzusetzen. Das aber ist in einigen Meldungen über die Einstufung der Solarien in die Kategorie 1 geschehen.
  2. Die IARC-Einstufung von Sonne und Solarien als „karzinogen“ (krebserzeugend) ist in der wissenschaftlichen Debatte heftig umstritten. Eine Reihe der angesehendsten, internationalen UV- und Vitamin D-Forscher haben öffentlich und scharf Front gemacht gegen die Schlussfolgerungen der IARC Review-Studie von 2006 und den Report von Ende 2008, auf denen die jetzige Einstufung beruht. Die eigentliche Begründung steht noch aus und ist erst für die nächsten Monaten angekündigt….
  3. In der Tat gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass moderates, kontrolliertes Sonnen im Freien wie auf der Sonnenbank zur Entstehung von Melanoma beiträgt.
  4. Es gibt dagegen eine Vielzahl von Studien, die nachweisen, dass regelmäßiges, moderates Sonnen die Haut vor dem Melanom schützt, also eine eher präventive als auslösende Wirkung hat.
  5. Studien belegen darüber hinaus, dass Sonnen und dadurch die Bildung von ausreichendem Vitamin D-Serum im Blut die Chance erheblich erhöht, ein Melanom zu überleben.
  6. Es kann vermutet werden, dass übermäßiges Sonnen in längeren Abständen (typisch: Sonnenbrand am Beginn der Ferien) die Bildung von Melanoma fördert – insbesondere bei Sonnenbränden im Kindesalter. Für die regelmäßige, kontrollierte Besonnung im Solarium gilt das nicht……
  7. Regelmäßige, moderate Besonnung im Freien oder im Solarium führt zu einem gleichmäßigen, gesunden Vitamin D-Spiegel im Blut. Eine ausreichende Vitamin D-Versorgung reguliert die Zellteilung und schützt vor vielen Krebsarten – einschließlich dem Melanom!
  8. Regelmäßige, moderate Besonnung im Freien oder im Solarium heilt, oder schützt vor, chronischen Erkrankungen, darunter Osteoporose, Osteomalazie und Muskelschwäche, Autoimmunerkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose und TB, Herz- und Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, Nerven- und psychische Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz oder Depressionen. Diese Wirkungen des „Sonnenschein-Vitamins“ sind zum großen Teil in der wissenschaftlichen Diskussion nicht oder kaum noch umstritten.
  9. In den meisten Ländern der Welt erhalten die Menschen eher zu wenig als zuviel Sonne – vor allem in den Industrieländern mit ihren „sonnenfernen“ Lebens- und Arbeitsstilen. Für Deutschland hat das Robert-Koch-Institut, Berlin, eine Unterversorgung von knapp 60 Prozent der Bevölkerung festgestellt – bei einigen Rsikiogruppen und im Winter liegt diese Defizit bei über 80 Prozent.
    Die Einordnung der UV-Strahlen der Sonne oder der Sonnenbank in die höchste Risiko-Kategorie für Krebs kann zu zusätzlichen, für die Gesundheitsvorsorge der Menschen katastrophalen Verhaltensänderungen im Verhältnis zu Sonne und Besonnung führen. Das hätte weit reichende negative Konsequenzen für die Prävention chronischer Krankheiten. Diese Aktion der IARC könnte die Gesundheitssysteme der Länder Milliardenbeträge kosten – ganz abgesehen von den unnötigen Leiden chronisch kranker Menschen.

In bis zu tausend wissenschaftliche Studien jährlich aus renommierten internationalen Forschungseinrichtungen werden seit Jahren die positiven Gesundheitswirkungen der UV-Strahlen von Sonne und künstlicher Besonnung nachgewiesen. Es wäre an der Zeit, neben den gesundheitsgefährdenden Wirkungen (Stichwort: Hautkrebs) übermäßiger UV-Bestrahlung die – ebenfalls durch eine von der WHO initiierte Studie eindrucksvoll belegt – um ein Vielfaches bedeutenderen positiven Wirkungen mäßiger und regelmäßiger Besonnung zur Kenntnis zu nehmen und damit einen vernünftigen, für die physische und psychische Gesundheit der Bevölkerung zunehmend wichtigen Beitrag zum richtigen Umgang mit Sonne und Solarium beizutragen.“

esalogositejpgDie European Sunlight Association (ESA) schreibt in einer Pressemeldung:

„.…Da Sonnenbänke das gleiche UV-Licht produzieren wie die Sonne, kann auch unmäßiges Sonnen und Solarien-Missbrauch genau so wie der übermäßige Aufenthalt an der Sonne mit bestimmten Hautkrebsarten in Verbindung gebracht werden.

In der gleichen IARC-Kategorie befinden sich zum Beispiel Rotwein und gesalzener Fisch.  Wissenschaftliche Studien belegen, dass der Konsucm von Rotwein und anderen alkohohaltigen Getränken ein höheres Krebsrisiko mit sich bringt als das Bräunen der Haut.

Es ist nun aber völlig unverantwortlich, die Nutzung der Sonnenbank mit dem tödlichen Senfgas oder Arsen zu vergleichen, wie das leider einige Medien getan haben….“

Ist in diesem aufgeheizten Meinungsklima eine ausgewogene Berichterstattung noch möglich? Ist die Abhängigkeit der Medien von den „schlechten Nachrichten“ tatsächlich so groß, dass eine „schlechte“ Nachricht hundert mal so viel Platz in der Berichterstattung erhält als hundert „gute“ Nachrichten. Beim Thema Sonne und Solarien scheint das Verhältnis eher noch ungünstiger zu sein. Eine an sich wenig bemerkenswert Meldung wie die IARC-Einstufung der Solarien kann schlagartig den ständigen Strom positiver Nachrichten über die erstaunlichen Entdeckungen immer neuer Gesundheitswirkungen etwa von UV-Stahlen und Vitamin D mühelos verdrängen.

Die Kosten trägt am Ende die Gesundheit und das Wohlbefinden der gesamten Bevölkerung.

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Prof. Dr. Michael F. Holick: Kein Zusammenhang zwischen vernünftigem Sonnen und „schwarzem“ Hautkrebs 29. Juli 2009

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Es gibt in der Forschung keinerlei glaubwürdige Belege dafür, dass vernünftiges Sonnen „schwarzen“ Hautkrebs verursacht über das hinaus, was ohnehin in der Bevölkerung existiert.”

Diese Aussage aus einem kürzlich aufgenommenen Interview des wohl berühmtesten UV- und Vitamin D-Forschers, Prof. Michael F. Holick,  liest sich wie ein vorweg genommener Kommentar zu den Meldungen von heute: Die wissenschaftliche Arbeitsgruppe für Krebsforschung der WHO,  IARC, hatte Sonnenschein und Solarien in die höchste Gefahrengruppe für Krebsrisiken eingestuft. Top-Risiko beim  Sonnenbaden im Schwimmbad oder im Solarium, das zumindest versuchen uns die IARC-Autoren zuzurufen.

Dagegen Prof. Holick:

Holick verweist auf den gegenüber den Gefahren um ein Vielfaches höheren Nutzen mäßiger aber regelmäßiger Besonnung, vor allem auf die heilende und schützende Wirkung des „Sonnenschein-Vitamins“ für viele chronische „Volkskrankheiten“ wie Osteoporose, Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-, Autoimmun- und Infektionskrankheiten und eben auch viele Krebserkrankungen.

Der norwegische Forscher und federführende Autor vieler Studien zu UV-Licht, Vitamin D und Krebs, Prof. Johan Moan, kommt in einem anderen Interview zu einem ähnlichen Schluss für die Sonnenbänke:
Richtig genutzte Sonnenbänke sind vor allem im Winter eine absolut gute Sache. Am Äquator, wo wir herkommen, haben die Leute Vitamin D gleichmäßig das ganze Jahr lang. … Das Beste für unseren Körper wäre eine gleichmäßige Versorgung mit Vitamin D durch das gesamte Jahr. Das können wir erreichen, indem wir die richtigen Sonnenbänke in der richtigen Weise nutzen“.

Eine von der WHO selbst in Auftrage gegebene Studie beziffert die positiven Gesundheitswirkungen von Besonnung und Vitamin D gegenüber den möglichen Gefahren für die Haut auf ein Verhältnis von 2.000 : 1.

Die IARC-Entscheidung macht, wie so oft bei Kampagnen gegen Sonne und Solarien, keinen Unterschied zwischen dem häufigen aber relativ ungefährlichen „weissen“ und dem gefährlichen „schwarzen“ Hautkrebs.

Die Forschungsgruppe war bereits bei der Veröffentlichung ihres Reports „Vitamin D and Cancer“ Ende 2008 von vielen internationalen Forscher heftig angegriffen worden.  Die wichtigsten Vorwürfe: Eine einseitige Auswahl der im Report berücksichtigten Studien und eine Zusammenfassung in Thesenform, die der vorangegangenen Beschreibung und Diskussion der wissenschaftlichen Ergebnisse nicht entpräche.

Quellen:

Die IARC-Entscheidung über die Einstufung von Sonnenbänken.

Kritik eine Gruppe bekannter UV- und Vitamin-D Forschern, darunter die deutschen Autoren Prof. Jörg Reichrath und Prof. Armin Zittermann am IARC-Report
Kritik von Prof. Michael F. Holick am IARC-Report
Kritik von Prof. William B. Grant am IARC-Report

International Osteoporosis Foundation warnt vor steigendem Vitamin D-Mangel 23. Juli 2009

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Osteoporose-Kosten-DALYFür unser Gesundheitssystem ist die Osteoporose eine der „kostspieligsten“ Volkskrankheiten – mit ständig steigender Tendenz. Sie „kostet“ die Gesellschaft allein fast das Zehnfache – in verlorenen Lebensjahren ausgedrückt – wie etwa der Hautkrebs (s. die nebenstehende Graphik mit einem Kostenvergleich von Osteoporose mit unterschiedlichen Krebsarten). Allein in EU-Ländern passiert alle 30 Sekunden ein Hüftbruch aufgrund von Osteoporose.

Die International Osteoporosis Foundation sieht eine der wesentlichen Gründe für die Verbreitung dieser Krankheit in dem „epidemischen“ und ständig wachsenden Vitamin D-Mangel, so ein Report der Organisation, der jetzt in der Fachzeitschrift „Osteoporosis International“ veröffentlicht wurde. Eine Expertengruppe stellt darin alle derzeit verfügbaren Daten und Studienergebnisse zur Osteoporose weltweit zusammen in sechs regionalen Einzelstudien (hier einzeln abrufbar).

Vitamin D, zu etwa 90 Prozent durch UV-B Strahlen der Sonne oder des Solariums in der Haut gebildet, ist zusammen mit Kalzium zentraler Bestandteil des Aufbaus und Erhalts der Knochen. Vitamin D-Mangel führt zum Verlust von Knochensubstanz, geringerer Knochendichte und in Konsequenz zu Knochenbrüchen bei Stürzen.

Der IOF-Report weist nun Land für Land nach, dass es weltweit eine zum Teil dramatische Unterversorgung mit Vitamin D gibt – gleichgültig wie die Grenzwerte optimaler Versorgung definiert werden.

Die wichtigsten Gründe für diesen Mangel sind unzureichende Sonnen-Exposition – vor allem im „Vitamin D-Winter“, der bei uns von Oktober bis März dauert,  dunklere Hautpigmentierung,  Alter und Ernährung ebenso wie die Verstädterung der Weltbevölkerung, Arbeit in geschlossenen Räumen und Moden bzw. Bekleidungsvorschriften, die die gesamte Haut vor Sonneneinstrahlung abschirmt.

Der Report fordert dringend Maßnahmen auf nationler Ebene, die die Menschen zu mehr, aber sicherem Aufenthalt an der Sonne und die Umstellung auf eine  Vitamin D-reiche Ernährung veranlassen könnten.  Empfohlen wird auch die  Nahrungsergänzung mit Vitamin D, etwa bei der Milch.

Zum „Welt Osteoporose Tag 2009“ am 20. Okotober plant die IOF eine Reihe von Aktionen, die auch das Vitamin D-Problem aufgreifen und im öffentlichen Bewusstsein besser verankern sollen.

Quelle: IOF

Studie:  A. Mithal, D.A. Wahl, J-P. Bonjour et al. on behalf of the IOF Committee of Scientific Advisors (CSA) Nutrition Working Group,  Global vitamin D status and determinants of hypovitaminosis D (2009), Osteoporosis International, in press.

Wer nutzt Sonnenbänke und warum in Deutschland? 22. Juli 2009

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Seit Jahren schon werden die Daten aus dieser Studie am Meinungsmarkt gehandelt, jetzt endlich erscheint die Studie  aus dem Forschungszentrum Jülich selbst, wenn auch vorerst noch ohne die Mehrzahl der Tabellen und Graphiken, in der frei zugänglichen Zeitschrift „BMC Dermatology“ (BioMed Central): Die Umfragestudie zur Nutzung von Sonnenbänken in Deutschland.

Solariennutzung in Deutschland - Graphik: BMC Dermatology

Solariennutzung in Deutschland nach Alter und Geschlecht  – Graphik: BMC Dermatology

Nach Erscheinen der vollständigen Daten werden wir ausführlicher darauf zurückkommen. Einen ersten Überblick bietet die nebenstehende Graphik.

28 Prozent der Deutschen im Alter ab 14 Jahren haben irgendwann einmal irgendwo (Sonnenstudio, Fitness-Center, Schwimmbad, zu Hause o.ä.) eine Sonnbank benutzt.  11 Prozent tun das 10mal pro Jahr oder häufiger. Das sind etwa 7,8 Millionen „aktive Nutzer“.

Die Altersgruppe mit der höchsten Nutzung sind die 30-44jährigen, wobei der relativ hohe Anteil von Männern erstaunt. Sonnenbank-Nutzung ist offensichtlich nicht mehr ganz überwiegend Frauensache – ausser bei den Jugendlichen unter 18 Jahren. Da spielen die Jungen mit 2 Prozent „Intensivnutzern“ so gut wie keine Rolle.

Die etwa 700.000 Jugendliche mit mehr oder weniger aktiver Sonnenbank-Nutzung machen – das hatten die Solarienverbände auch in eigenen Untersuchungen festgestellt – magere 3,5 Prozent der Solarien-Kunden aus.

Überraschend sind die Ergebnisse nicht. Aber schon auf den ersten Blick erstaunt die in der Wissenschaft nicht immer übliche Offenheit, mit der die Interessen hinter der Studie deutlich ausgesprochen werden.  Die Forscher machen kein Hehl daraus, dass ihre Untersuchung dazu dienen soll, den Gegnern von Solarien  im Kampf  gegen die verderblichen Auswirkungen von Sonne und künstlicher Besonnung die Waffen zu schärfen. Die Studie wurde aufgelegt „…wegen der potentiell negativen Wirkungen der künstlichen Besonnung für die öffentliche Gesundheit…“ (Alle Übersetzungen, d.Red.)
Die Autoren machen sich viele Gedanken darüber, wie man „die Nutzungsrate der künstlichen Besonnung wirkungsvoll zurückdrängen“ könnte und mahnen alle Ärzte im Umgang mit ihren Patienten, „…häufiger und mehr  die bösen Gesundheitsfolgen in Zusammenhang mit Sonnenbänken zu betonen.

Über die positiven Gesundheitswirkungen von Sonne und Solarien wird kein Wort verloren. Abwägen war hier nicht der Auftrag. Auftraggeber: Das Bundesamt für Strahlenschutz.

So sind denn bemerkenswert an der Studie nicht eigentlich die vorgelegten Ergebnisse – ähnliche Studien in anderen Ländern haben ähnliches festgestellt – als vielmehr das spürbare Erstaunen der Autoren über die Motivationslage der Solarien-Nutzer („Bräune ist attraktiv„, „Sonnen fühlt sich gut an“ oder gar „Bräune ist gesund„) und die Sorge darüber, dass offensichtlich die Angst-Kampagnen gegen Sonnenbank-Nutzung und die Drohung mit dem „schwarzen Hautkrebs“ an dieser Motivationslage nichts ändern. Im Gegenteil, die Intensiv-Nutzer (damit meinen die Autoren Menschen, die sich mindestens 10 Besonnungen pro Jahr leisten) unter den Studien-Teilnehmern waren durchschnittlich besser informiert als die Nicht-Nutzer.

Ein aufmerksamer Leser der einschlägigen Literatur (und natürlich ein Leser dieses Weblogs) könnte da auf die Idee kommen zu sagen: eben!

Quelle: BioMed Central

Studie:  Franziska U. Börner et al., A population-based survey on tanning bed use in Germany, BMC Dermatology 2009,  9:6, 20. Juli 2009 (online vorab)

Sonnenschein und Curry gegen Alzheimer 18. Juli 2009

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Das „Sonnenschein-Vitmain “ D3 in Kombination mit dem Curry-Gewürz Curcumin hilft möglicherweise, die Plaque-Bildung im Gehirn zu stoppen, die im wesentlichen für die Alzheimer Krankheit verantwortlich gemacht wird.

Wissenschaftler verschiedener Forschungsinstitute in Kalifornien haben diesen Zusammenhang bei der Beobachtung von neun Alzheimer-Patienten entdeckt. Vitamin D und Curcumin griffen auf sehr verschiedene  Weisen in die Immunreaktion auf das Beta-Amyloid ein.  Dieses Protein ruft als Ablagerung im Gehirn die Alzheimer-Symptome hervor.

Wir hoffen, dass Vitmain D3 und Curcumin, beide natürlichen Nahrungsbestandteile,  zur Prävention und Therapie der Alzheimer Krankheit verwendet werden können,“ meint Dr. Milan Fiala, einer der Autoren dieser Studie am David Geffen School of Medicine der Universität von Kalifornien in Los Angeles.

Die Forscher fanden heraus, dass Curcumin das Beta Amyloid an den Oberflächen der Makrophage bindet, während das Vitamin D dafür sorgt, dass  das Protein von den Makrophagen „aufgesogen“ und unschädlich gemacht wird.

Da das Vitamin D und das Curcumin unterschiedlich mit dem Immunsystem zusammenwirken, könnte eine Kombination beider oder eine Anwendung nur einer von beiden optimal sein – je nach Patient,“  so Dr. Fiala.

Quelle: ScienceDaily

Studie:  M. Fiala et al., Curcuminoids enhance amyloid-beta uptake by macrophages of Alzheimer’s disease patientsJournal of Alzheimer’s Disease 1/10, 1-7

Sonne macht klug: Cabrio oder Sonnenbank? 18. Juli 2009

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cabrioDass Sonnen die Intelligenz fördert, hatten wir kürzlich schon berichtet. Die Wege zur Sonnen-Klugheit aber sind sehr verschieden:

RP-Online, die virtuelle Ausgabe der Rheinischen Post, garniert einen Beitrag zum Cabrio-Markt und zu Cabrio-Fans mit einem Hinweis auf eine wissenschaftliche Studie an der Universität Manchester.  Danach steigert das Autofahren mit offenem Dach die Gehirnleistung – hier: von Männern über 60 Jahre.

Grund: Die Sonne steigert den Vitamin D-Spiegel bei Cabrio-Fahrern.

RP-Online: „Genau dieser erhöhte Vitamin-D-Wert wurde bei 3000 Männern im Alter zwischen 40 und 79 Jahren gemessen, die sich überproportional häufig dem Sonnenlicht ausgesetzt hatten. Die beste Steigerung der Hirnleistung wurde bei Männern jenseits der 60 Jahre dokumentiert. Nur noch ein kleiner logischer Sprung, um offene Autos für das reifere Alter zu empfehlen.“

Quelle: RP-Online

Foto: iStockphotos

Sonne auf Vorrat 17. Juli 2009

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Sommersonne für die Vitamin D-Speicher

Sommersonne für die Vitamin D-Speicher

Wer sich im Sommer häufig an der Sonne aufhält und damit seine Vitamin D-Speicher füllt, hat auch im „Vitamin D-Winter“ die besseren Gesundheits-Karten.

Forscher am renommierten Karolinska-Institut in Stockholm wollten wissen, welche Faktoren für die Vitamin D-Versorgung im Sommer verantwortlich sind und wie sich das auf die Versorgung mit dem „Sonnenschein-Vitamin“ im Winter auswirkt.

In Stockholm, in etwa auf dem 60 Breitengrad, dauert der „Vitamin D-Winter“, in dem die Sonne kein Vitamin D in der Haut bilden kann, ein halbes Jahr von Anfang Oktober bis Ende März. In dieser Zeit sind die Menschen auf andere Quellen wie Vitamin D-reiche Nahrung und Solarium angewiesen. Das im Sommer gebildete „Sonnenschein-Vitamin D“ speichert sich über einige Zeit auch im menschlichen Fettgewebe ab und kann dort vom Körper „abgerufen“ werden.

Die 100 Teilnehmerinnen der Untersuchung an der Karolinska wiesen im Sommer gegenüber dem „Vitamin D-Winter“ einen knapp 40 Prozent höheren Vitamin D-Spiegel im Blut auf.

Für die Höhe des Vitamin D-Spiegels im Sommer waren vor allem die Dauer des Aufenthalts an der Sonne (statt im Schatten), ein Hauttyp, der einen längeren Aufenthalt an der Sonne gestattete, und ein normales Körpergewicht (kein Übergewicht, kein Adipositas) verantwortlich.

Die Teilnehmer mit dem höchsten Serum-Spiegel im Sommer schnitten auch im Winter am besten ab. Sie hatten ausreichend „Sonne gespeichert“.

Quelle: HighWire

Studie:  A. Burgaz et al., 25-hydroxyvitamin D accumulation during summer in elderly women at latitude 60ºNJournal of Internal Medicine, online vorab 27. April 2009

Vitamin D schützt vor Darmkrebs – aber wie? 16. Juli 2009

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Seit langem ist die schützende Wirkung von Vitamin D3 bei Darmkrebs bekannt.  Aber wie genau diese Wirkung erzeugt wird und ob Vitamin D in der Therapie gegen den Krebs einesetzt werden kann, ist noch überwiegend offen.

Eine spanischen Forschergruppe ging dieser Frage nach und entdeckte einen komplexen Wirkungszusammenhang:  Die biologisch aktive Form von Vitamin D (1α,25-dihydroxyvitamin D3) aktiviert ein Gen, das wiederum  ein Protein stimuliert mit der Bezeichnung Cystatin D. Dieses Protein bremst zumindest in Laborversuchen das Wachstum von Darmkrebszellen . Die Krebszellen teilten sich seltener, verloren ihre Beweglichkeit und schalteten Gene ab, die das Krebswachstum fördern.

Auf diesem „Umweg“ wirkt Vitamin D3 als Tumorsuppressor. Ein weitere Schritt in der Nachweiskette für die krebsverhindernde Wirkung des „Sonnenschein-Vitamins“. (Über Studien zu diesem Thema haben wir hier, hier, hier und hier berichtet.)

Quelle: MedWire

Studie:  Silvia Álvarez-Díaz et al.,  Cystatin D is a candidate tumor suppressor gene induced by vitamin D in human colon cancer cells, Journal of Clinical Investigation, July 2009, online vorab veröffenlticht.

Mal wieder: Sonne macht geistig fit 16. Juli 2009

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schlau-kleinWer regelmäßig die Sonne oder das Solarium – in Maßen – genießt und damit seinen Vitamin D-Bedarf ausreichend deckt kann in der Regel besser denken und schneller und geschickter reagieren als „Sonnen-Muffel“.

Getestet haben das amerikanische Forscher der Tufts Universität in Boston jetzt an rund 1.000 älteren Menschen und fanden frühere Untersuchungen bestätigt (Wir berichteten hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier). Sie untersuchten den Vitamin D-Spiegel im Blut der Teilnehmer und führten dann umfangreiche Intelligenz- und neurologische Tests mit ihnen durch.

Das Ergebnis war eindrucksvoll: In den meisten Test-Kategorien schnitten die Teilnehmer mit dem höchsten Vitamin D-Spiegel zum Teil doppelt so gut ab wie Teilnehmer mit einem besonders niedrigen Vitamin D Gehalt im Blut.

Vor allem, wenn es darum ging, Aufgaben schnell zu erfassen und geschickt zu managen, zeigte sich dieser Unterschied besonders deutlich.

Auch wenn alle anderen Faktoren ausgeschlossen wurden, die Auffassungsgabe und Reaktionsschnelligkeit beeinflussen könnten, blieb das Resultat gleichermaßen positiv für die Menschen mit ausreichend „Sonnenschein-Vitamin“.

Kleiner Tropfen Wasser in den Wein: Die Gedächtnisleistung scheint sich durch die Sonne bzw. das Vitamin D nicht wesentlich zu verbessern.

Eine erschreckende Erkenntnis am Rande: allein 65 Prozent der Studien-Teilnehmer litten unter einer unzureichenden Vitamin D-Versorgung.

Quelle:  Science Daily
Foto: iStockphotos

Studie:  Katherine L. Tucker et al.,  Vitamin D Is Associated With Cognitive Function in Elders Receiving Home Health Services, The Journals of Gerontology Series A: Biological Sciences and Medical Sciences 2009 64A(8):888-895